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Unsere Geschichte

Radios Sylvias bewegte Geschichte geht zurück bis in die 70er-Jahre. Die Anfänge unserer Sendetätigkeit wurden inspiriert durch die damalige Radioszene. Vor den Küsten Hollands und Belgiens ankerten die Schiffe der heute legendären Piratensender Radio Nordsee International, Radio Veronica, Radio Mi Amigo, Radio Atlantis etc. - und natürlich Radio Caroline. Parallel dazu existierte eine lebendige Landpiratenszene in Großbritannien, Irland, Belgien, Holland, den skandinavischen Ländern und Deutschland.

Dieses Radio-Umfeld ermutigte uns - verstärkt durch die Unbeweglichkeit der öffentlich-rechtlichen Anstalten - einen eigenen Sender zu starten und alternative Radio-Inhalte zu verbreiten. Da wir damals illegal sendeten, hatten wir oftmals erhebliche Probleme mit Ordnungshütern und der damaligen Deutschen Bundespost...

Die Vorgänger: Radio Concordia Nord und Radio Triumph International

Radio Concordia Nord (RCN) wurde im Mai 1972 gegründet und sendete zunächst mit kleiner Leistung auf Langwelle 212 kHz. Aufgrund nur geringer Reichweite und ausbleibender Hörerresonanz begann RCN im August 1974 mit regelmäßigen Sendungen auf UKW 100,5 MHz; kurze Zeit später erfolgte ein Frequenzwechsel auf 101 MHz. Die Sendungen fanden montags bis donnerstags von 14.30 bis 15.30 Uhr und freitags von 14.30 bis 16.30 Uhr statt.
Im Jahr 1975 wurde ein stärkerer UKW-Sender installiert. Der Sendebetrieb lief jetzt regelmäßig jeden Sonnabend von 14 bis 20 Uhr auf UKW 101 MHz; wegen technischer Probleme mussten wir allerdings einige Sendungen verkürzen.

Im Mai 1975 feierte Radio Concordia Nord das dreijährige Bestehen. Aus diesem Anlass planten wir, eine 30-stündige Live-Sondersendung auszustrahlen. Die Sendung begann am 24. Mai um 14 Uhr und sollte am darauf folgenden Tag um 20 Uhr enden. Da eine neue Bisquare-Antenne auf einem neu installierten 8 m hohen Sendemast verwendet wurde, ließ sich eine große Reichweite erzielen; die Hörerresonanz war entsprechend gut. Doch dann geschah nach fast 20-stündiger ungestörter Sendung das Unausweichliche: Bundespost und Polizei erschienen in unmittelbarer Nähe des Sendestandortes; unserer dort stehenden Wachmannschaft gelang es knapp, den Sender abzuschalten und die Flucht zu ergreifen. Wie haarscharf RCN einer Aushebung entgangen war, wurde uns anschließend erst richtig klar, als wir im weiteren Verlauf des Tages eine große Anzahl diverser Peil- und Polizeiwagen sichteten.

In den nächsten Monaten schwieg RCN. An eine Wiederaufnahme der Sendungen in der bisherigen Konstellation war nicht zu denken. UKW-Sendungen wurden vorerst auf Eis gelegt, aber die Station war nicht tot: Unter dem neuen Namen Radio Triumph International (RTI) begannen wir im Dezember 1975 mit monatlichen Sendungen auf Kurzwelle 6225 kHz. Wegen technischer Probleme wurden die Sendungen jedoch im September 1976 wieder eingestellt. Im Hintergrund gab es aber schon neue Planungen...

Radio Sylvia

Als RTI-Nachfolger gründeten wir im Juli 1977 Radio Sylvia. Namensgeberin war die 1972 erschienene Single Sylvia der niederländischen Band Focus - dieser Titel ist bis heute unsere Erkennungsmelodie. Zunächst begannen Test- und reguläre Sendungen auf Mittelwelle 1345 und 1562 kHz, die jedoch unter permanenten technischen Schwierigkeiten litten und im Juni 1978 wieder eingestellt wurden.

Das Ziel war nun eine Wiederaufnahme der Sendungen auf UKW mit stärkerem Sender an neuen Standorten: Im November 1978 startete Radio Sylvia mit regelmäßigen Sendungen auf UKW 100,5 MHz, die an jedem ersten Sonntag eines Monats stattfanden und vier Stunden dauerten. Aus Sicherheitsgründen wurden alle Programme in einem geheimen Aufnahmestudio vorproduziert. Die eigentliche Ausstrahlung der Programme erfolgte von wechselnden Standorten im Gelände, ohne dass dort während der Sendungen Personen anwesend waren. Nach anfänglich ungestörter Sendetätigkeit gerieten wir unter immer stärkeren Druck seitens der Behörden. Mehrfach trafen Post und Polizei an unseren Sendestandorten ein und konfiszierten die Ausrüstung, ohne jedoch jemanden anzutreffen. Es gelang uns trotzdem lange Zeit, einen regelmäßigen Sendebetrieb aufrecht zu erhalten. Problematisch war aber, dass den Behörden inzwischen die meisten unserer Sendestandorte bekannt waren und wir auf keine anderen - weiter entfernten - Standorte ausweichen konnten, ohne dass sich unser Empfangsgebiet erheblich verschieben würde. Uns blieben nur zwei Möglichkeiten: Einstellung der Sendungen oder erneuter Wechsel auf Kurzwelle, die uns die Möglichkeit eröffnete, ohne Auswirkungen auf das Empfangsgebiet auch weit voneinander entfernte Standorte zu benutzen.

Wir entschieden uns für die zweite Variante, wechselten auf Kurzwelle 6225 kHz und sendeten fortan wieder regelmäßig einmal im Monat. Der Hörerzuspruch war sehr positiv; über unsere Postfachadresse in Hamburg traf Hörerpost aus ganz Europa ein. Aber wie so oft in der Vergangenheit blieben den Behörden auch Radio Sylvias Kurzwellenaktivitäten nicht verborgen. Nach mehreren vergeblichen Versuchen gelang ihnen am 9. Dezember 1984 der große Schlag: Die Sendung auf 6225 kHz war bereits etwa 90 Minuten gelaufen, als Post und Polizei am Sendestandort eintrafen. Es blieb keine Zeit zur Flucht. Vier Personen wurden vorläufig festgenommen; die Sendeanlage (bestehend aus Kurzwellensender, SWR-Meter, Halbwellendipol, Autobatterie, Spannungswandler und zwei Cassettendecks) wurde abgeschaltet und sichergestellt. Bei den anschließenden vier Haussuchungen erfolgte die Beschlagnahme zweier Kurzwellenempfänger, darüber hinaus wurden Programmtonbänder, Werbematerial sowie mehrere Hörerbriefe konfisziert. Das Aufnahmestudio wurde nicht gefunden.

Anlässlich der Aushebung von Radio Sylvia ließen wir eine Todesanzeige drucken, die wir an unsere Hörer verschickten. Einige Monate später wurden wir zu hohen Geldstrafen verurteilt.

Der (Interims-)Nachfolger: Radio Scorpio

Nach dem (aus heutiger Sicht vorläufigen) Ende von Radio Sylvia erschien eine Wiederaufname der Sendungen mit eigenem Sender zu riskant. Im März 1985 änderten wir den Sendernamen in Radio Scorpio und nahmen - zwecks Anmietung von Sendezeit - Kontakt zu verschiedenen ausländischen Kurzwellenpiraten auf. Die Verhandlungen mit der belgischen Station Radio Delmare, die seit Herbst 1984 mit einem starken Signal auf Kurzwelle sendete, waren erfolgreich, und so konnten wir schon bald europaweit an jedem ersten Sonntag eines Monats ein vierstündiges Programm via Radio Delmare auf 6206 kHz ausstrahlen. Erneut war die Hörerresonanz ausgesprochen positiv. Die regelmäßigen Sendungen liefen bis Ende 1985, als Radio Delmare aus Sicherheitsgründen eine Sendepause einlegen musste. Im Juni 1986 kehrte die Station auf 6206 kHz zurück, und so konnte auch Radio Scorpio am 6. Juli 1986 wieder die regulären Sendungen aufnehmen. Doch zehn Monate später, am 17. Mai 1987, brachten die belgischen Behörden Radio Delmare endgültig zum Schweigen.

Somit mussten wir unsere Sendungen via Radio Delmare aufgeben. In den folgenden Monaten kontaktierten wir die irische Station Radio Ireland International und konnten anschließend über deren Sender auf 6312 kHz unsere regelmäßigen Sendungen ausstrahlen; leider war der Empfang in Mitteleuropa nur sehr mäßig. Nach mehreren Monaten wechselten wir zum schottischen Piraten Scottish Free Radio Network auf 7423 und 7428 kHz. Aber das Problem blieb - der Empfang im Zielgebiet Deutschland war einfach zu schlecht, und die Hörerresonanz wurde immer dürftiger. Wir mussten feststellen, dass das Ganze keinen Sinn mehr machte. So kam es, dass wir unsere Sendeaktivitäten Ende 1989 schweren Herzens einstellten und unsere Station in einen langen Dornröschenschlaf fallen ließen.

Der Neubeginn

2007 begannen wir mit ersten vagen Überlegungen, Radio Sylvia legal zu reaktivieren, ohne dass allerdings konkrete Planungen folgten. Erst im September 2008 starteten die Vorbereitungen, und nach einer Testphase begannen am 8. Januar 2009 die regulären Sendungen im Internet. Gesendet wurde täglich von 20 bis 24 Uhr, anfangs mit einer Bitrate von 64 kbit/s und seit dem 10. Februar 2009 mit 128 kbit/s. Die Sendungen waren zunächst durchgehend unmoderiert. Ende Februar 2009 führten wir moderierte Programme ein: An jedem Samstag lief von 20 bis 21 Uhr das Programm "Blackout" mit Mark Andersen und anschließend von 21 bis 22 Uhr die Sendung "Alles was Recht ist" mit Brewford T. Justice. Auf vielfachen Hörerwunsch ersetzte jedoch bereits ab dem 4. Juli 2009 das gemeinsam moderierte Programm "Veitstanz" (samstags von 20 bis 22 Uhr) die beiden Einzelsendungen.

Nach Inbetriebnahme eines neuen Senderechners erweiterten wir am 1. Dezember 2009 unsere Sendezeiten auf 12 Stunden und sendeten täglich von 12 bis 24 Uhr. Seit dem 1. September 2010 sendet Radio Sylvia rund um die Uhr.

Im Juni 2011 begannen wir mit Tests eines neuen Soundprocessing-Systems, das am 10. Juli 2011 offiziell in Betrieb genommen wurde. Während der folgenden Wochen nahmen wir einige Feinjustierungen an unserem Soundprocessing vor.

Inzwischen stellte sich immer mehr heraus, dass der Funktionsumfang der seit Januar 2009 eingesetzten Sende- und Produktionssoftware den künftigen Anforderungen nicht mehr gerecht wurde. Daher erprobten wir im August 2011 diverse andere Software-Lösungen. Schließlich konnten wir im September eine neue professionelle Software in Betrieb nehmen. Nach einigen Einstellungsarbeiten ist dieses System nun seit dem 25. September 2011 rund um die Uhr im Einsatz.